Zu den großen Bildungsbauten, die in den 1890er Jahren in Köthen entstanden, gehört neben dem Lehrerseminar und verschiedenen Schulbauten auch das 1891 Akademie für Handel, Landwirtschaft und Industrie gegründete Polytechnikum, das zunächst Räumlichkeiten im Schloss nutzte und für das in den Jahren von 1896 bis 1900 ein Neubau in der Magdeburger Straße entstand, da die Hörerzahlen schnell anstiegen.
Die Dreiflügelanlage besitzt eine 70 Meter lange Nordfassade mit weit über 20 Fensterachsen. Die Hofflügel ragen je 20 Meter aus dem Hauptbau nach Südwesten. An der Hofseite befindet sich zudem ein größerer Risalit. Entworfen wurde das Gebäude von Paul Bunzel (1848-1926), Stadtbaumeister in Köthen von 1876 bis 1914, der sich für einen streng symmetrischen Aufbau entschied und die Abwechslung im Detail verbarg.
So wurde im Keller- und Erdgeschoss Bossenwerk benutzt, in den oberen Etagen bleibt der Backsteinbau hingegen sichtbar. Die Fenster des Obergeschosses wurden rundbogig gestaltet, ebenso wie einige der Fenster am Risalit, in den eine Treppe führt. Früher war dieser von einer Figur bekrönt, wie man auf alten Ansichtskarten sehen kann. Es handelte sich laut Stadtarchivarin Monika Knof hierbei um eine Minerva-Figur, die im Jahr 1939 abgebaut wurde.
Bis dahin war schon einiges passiert: Die Akademie wurde 1893 in Höheres technisches Institut umbenannt, teils aber weiter Akademie genannt. Im Jahr 1902 wurde daraus das Städtische höhere technische Institut zu Cöthen und 1905 das Städtisches Friedrichs-Polytechnikum. Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte die Umbenennung in Städtische Gewerbe- und Handelshochschule und nach weiteren Namenswechseln im Jahr 1933 in Hochschule für angewandte Technik. Bereits in den 1920er Jahren wurde zudem das Grüne Gebäude ergänzt. Erneut wechselte der Name bis 1945 mehrfach und sie hieß u. a. von 1943 bis 1945 Staatliche Akademie für Technik in Köthen.
Im Jahr 1948 wurde die Einrichtung als Staatliche Ingenieurschule Köthen eröffnet, aus der 1952 die Fachschule für Chemie entstand, die aber 1956 in Ingenieurschule für Chemie umbenannt wurde und 1959 den Namenszusatz Frédéric Joliot-Curie erhielt. Im Jahr 1969 wurde sie zur Hochschule herausgestuft und fortan Ingenieurhochschule Köthen genannt. Diese wurde 1990 zur Technischen Hochschule Köthen und 1993 ging sie in der 1991 gegründeten Fachhochschule Anhalt auf, die seit 1998 Hochschule Anhalt heißt.