Der mittlere der Gedenksteine am Bitterfelder Robert-Schumann-Platz erinnert an den Aufstand des 17. Juni 1953, der sich im Chemiedreieck besonders ausdehnte und an den zum Beispiel auch in Halle Gedenktafeln am Hallmarkt erinnern. Angeführt von Paul Othma (1905-1969), an den eine gesonderte Gedenktafel am Rathaus erinnert, demonstrierten Zehntausende auf dem Markt von Bitterfeld für freie Wahlen und die Freilassung politischer Gefangener.
Die Zahl der Demonstranten übertraf die der Einwohner, da auch aus umliegenden Ortschaften Menschen kamen. Viele hielten sich auch im Bereich des Robert-Schumann-Platzes und der Binnengartenwiesen auf. Die Massenkundgebung löste sich nach etwas einer Stunde auf, aber Teile nutzten die Situation und gingen in kleineren Gruppen zu verschiedenen Einrichtungen wie dem Gefängnis, dem Sitz der Stasi oder dem Gebäude der Volkspolizei. Plünderungen konnten nur zum Teil durch Othma verhindert werden und die Streikleitung begab sich ins Rathaus und setzte den ehemaligen Bürgermeister wieder ein, der 1933 von den Nationalsozialisten entfernt worden war.
Man verlas die Namen von Stasispitzeln und die Streikleitung verfasste ein eigenes Programm mit Forderungen, die der Regierung übermittelt wurden und in dem unter anderem der Rückzug der Volkspolizei und die Abschaffung der Volksarmee gefordert wurde. Etwa zeitgleich wurde der Schießbefehl für den Bezirk Halle erlassen und der Ausnahmezustand ausgerufen. Man setzte den Streik dennoch fort und versuchte zum einen die Betriebe für sich zu gewinnen, zum anderen über den Rundfunk das ganze Land zu motivieren. Aber russische Panzer hatten bereits die Kontrolle übernommen und kamen auch nach Bitterfeld.
Einigen Streikführer konnten fliehen, andere wurden verhaftet und verurteilt. Othma wurde 1964 schwerkrank entlassen, starb aber wenige Jahre später.